Tagesimpuls

Zum täglichen gemeinsamen Hören auf Gott haben wir folgender Vorschlag: Jeder liest bei sich zuhause die Tageslese nach dem Ökumenischen Bibelleseplan. Damit kommen wir bis Ostern einmal durch die ganze Passionsgeschichte.

Wir veröffentlichen auf unserer Homepage jeden Tag den Bibeltext der Tageslese und einen Impuls zum Nachdenken und Weiterdenken. Die tägliche Bibellese mit Impuls kann auch abonniert werden. Schicken Sie uns dazu über E-Mail an pfarramt.hohenhalachdontospamme@gowaway.elkw.de Ihre Anfrage.

Viel Segen beim Hören auf das, was uns zugesagt ist, wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Michael Wanner 

  • add Montag, 6. April 2020

    Tageslese: Markus 14,53-65

    Jesus vor dem Hohen Rat

    53 Und sie führten Jesus zu dem Hohenpriester; und es versammelten sich alle Hohenpriester und Ältesten und Schriftgelehrten. 
    54 Petrus aber folgte ihm nach von ferne, bis hinein in den Palast des Hohenpriesters, und saß da bei den Knechten und wärmte sich am Feuer. 
    55 Aber die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat suchten Zeugnis gegen Jesus, auf dass sie ihn zu Tode brächten, und fanden nichts. 
    56 Denn viele gaben falsches Zeugnis gegen ihn; aber ihr Zeugnis stimmte nicht überein. 
    57 Und einige standen auf und gaben falsches Zeugnis gegen ihn und sprachen: 
    58 Wir haben gehört, dass er gesagt hat: Ich will diesen Tempel, der mit Händen gemacht ist, abbrechen und in drei Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist. 
    59 Aber ihr Zeugnis stimmte auch darin nicht überein. 
    60 Und der Hohepriester stand auf, trat in die Mitte und fragte Jesus und sprach: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich bezeugen? 
    61 Er aber schwieg still und antwortete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? 
    62 Jesus aber sprach: Ich bin's; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels. 
    63 Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: Was bedürfen wir weiterer Zeugen? 
    64 Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was meint ihr? Sie aber verurteilten ihn alle, dass er des Todes schuldig sei. 
    65 Da fingen einige an, ihn anzuspeien und sein Angesicht zu verdecken und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: Weissage uns! Und die Knechte schlugen ihn ins Angesicht.

     

    Impuls:

    Gar nicht so leicht, einen unschuldigen Menschen zu verurteilen. Es gibt viele Zeugen, aber irgendwie funktioniert die ganze Sache nicht. Interessant: Der Hohepriester braucht die Zeugen eigentlich auch gar nicht. Er muss nur eine einzige Frage stellen. Und dieses Mal redet auch Jesus nicht mehr lange um den heißen Brei herum. Er sagt klipp und klar einfach nur ja. Die Wahrheit ist erkannt, sie ist benannt und sie ist bestätigt. Nur eines fehlt den Menschen, die die Wahrheit hören: Ein offenes Ohr für die Wahrheit! Denn wenn dieses Zeugnis Jesu nicht als Wahrheit gehört wird, ist es natürlich Gotteslästerung. Wenn es aber die Wahrheit ist, dann sollten die Umstehenden auf die Knie fallen und ihn anbeten. Das wäre die richtige Reaktion. Aber sie können nicht, weil all das nicht in ihr Weltbild passt. Das lässt mich zurück mit der Frage: Passt Jesus in mein Weltbild? Kann es sein, dass ein Mensch leidet und stirbt für andere, ja sogar für die ganze Welt? Kann es sein, dass Jesus nach drei Tagen dann aufersteht und damit stärker als der Tod ist? All das ist genauso in der Bibel bezeugt. Wenn es nicht in mein Weltbild passt, dann muss das alles eine Lüge sein. Bestenfalls ein Märchen. Wenn ich es aber als die Wahrheit Gottes erkenne und annehme, dann wird es mir zur Kraft des Lebens wie schon unzähligen Christen vor mir. Ich lade Sie heute ein: Halten Sie an dieser Wahrheit fest und entdecken die Kraft, die darin steckt jeden Tag neu. Besonders jetzt, wenn die Karwoche losgeht! Gottes Segen dabei.

    Pfarrer Christoph Pascher/Horrheim

    Tageslese für morgen: Markus 14,66-72

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  • add Sonntag, 5. April 2020

    Tageslese: Psalm 88

    1 Ein Psalmlied der Korachiter, vorzusingen, zum Reigentanz im Wechsel, eine Unterweisung Hemans, des Esrachiters.
    2 HERR, Gott, mein Heiland, ich schreie Tag und Nacht vor dir.
    3 Lass mein Gebet vor dich kommen, neige deine Ohren zu meinem Schreien.
    4 Denn meine Seele ist übervoll an Leiden, und mein Leben ist nahe dem Totenreich.
    5 Ich bin denen gleich geachtet, die in die Grube fahren, ich bin wie ein Mann, der keine Kraft mehr hat.
    6 Ich liege unter den Toten verlassen, wie die Erschlagenen, die im Grabe liegen, derer du nicht mehr gedenkst und die von deiner Hand geschieden sind.
    7 Du hast mich hinunter in die Grube gelegt, in die Finsternis und in die Tiefe.
    8 Dein Grimm drückt mich nieder, du bedrängst mich mit allen deinen Fluten. SELA.
    9 Meine Freunde hast du mir entfremdet, du hast mich ihnen zum Abscheu gemacht. Ich liege gefangen und kann nicht heraus,
    10 mein Auge vergeht vor Elend. HERR, ich rufe zu dir täglich; ich breite meine Hände aus zu dir.
    11 Wirst du an den Toten Wunder tun, oder werden die Verstorbenen aufstehen und dir danken? SELA.
    12 Wird man im Grabe erzählen deine Güte und deine Treue bei den Toten?
    13 Werden denn deine Wunder in der Finsternis erkannt oder deine Gerechtigkeit im Lande des Vergessens?
    14 Aber ich schreie zu dir, HERR, und mein Gebet kommt frühe vor dich:
    15 Warum verstößt du, HERR, meine Seele und verbirgst dein Antlitz vor mir?
    16 Ich bin elend und dem Tode nahe von Jugend auf; ich erleide deine Schrecken, dass ich fast verzage.
    17 Dein Grimm geht über mich, deine Schrecken vernichten mich.
    18 Sie umgeben mich täglich wie Fluten und umringen mich allzumal.
    19 Meine Freunde und Nächsten hast du mir entfremdet, und mein Vertrauter ist die Finsternis.

    Impuls:

    Einfach einmal ganz laut schreien. Wer möchte das nicht in diesen Tagen tun. Im Wald, auf einer Wiese oder auch in den Weinbergen auf archaische Weise von sich geben, was mich wütend, sprachlos und auch ohnmächtig macht. Ein einzelnes Wort, einen ganzen Satz oder auch einfach nur einen bestimmten Ton. Mein Innerstes nach außen kehren ohne Rücksicht nehmen zu müssen auf Etiquette und Netiquette. Einfach Ballast abwerfen, das kann ganz schön befreiend sein.

    Die Psalmworte sind mitten hineingeschrieben in unseren Corona Alltag. Die Nachrichten sind voller Meldungen über Todesopfer und den täglichen Kampf ums Überleben. Die Hamsterkäufe nehmen ab, aber dennoch sind bestimmt Dinge gerade nur schwer zu bekommen.

    Wir sind auf unsere Wohnungen, Häuser und mit Glück Gärten reduziert und können unsere Familie und auch unsere Freunde gerade nicht treffen. In den Tagen vor Ostern eine besonders schmerzliche Zumutung. Wir werden uns fremd, denn diese Zeit verändert uns.

    Das Psalmgebet nimmt als Klagelied auch die Aussichtslosigkeit unserer Zeit auf. Ich lese es als Einladung zur Klage vor Gott. Ihm kann ich alles schreiend anvertrauen. Bei ihm sind meine Aussichtslosigkeit und auch meine Ohnmacht und Wut aufgehoben. Dort hat Platz, was ich meinen Mitmenschen nicht zumuten kann und will.

    Zu Beginn der Karwoche will es uns einstimmen in den Leidensweg Jesu, der sich verbinden darf mit allem Leid auf dieser Welt. Und davon sehen und hören wir auch jenseits von Corona viel. Wir alle machen unterschiedliche Erfahrungen mit Leid und Elend und dürfen doch wissen, dass einer all unser Leid auf sich genommen hat. Christus nimmt mit in den Tod, was in unserem Leben schiefgelaufen und verrutscht ist. Er nimmt mit in den Tod, was uns das Leben zugemutet hat.

    Es lohnt sich also, ganz bewusst am Kreuz von Karfreitag stehen zu bleiben und Leiden auszuhalten. Es lohnt sich zu schreien und zu klagen gerade in diesen Tagen um dann die Hoffnung, die mit Ostern in unser Leben kommt, noch einmal neu anzunehmen und die Hoffnung deutlich zu spüren.

    Pfarrerin Rebecca Fischer/Kleinglattbach

    Tageslese für morgen: Markus 14,53-65

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  • add Samstag, 4. April 2020

    Tageslese: Markus 14, 43-52

    43 Und alsbald, während er noch redete, kam herzu Judas, einer von den Zwölfen, und mit ihm eine Schar mit Schwertern und mit Stangen, von den Hohenpriestern und Schriftgelehrten und Ältesten.

    44 Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen genannt und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist's; den ergreift und führt ihn sicher ab. 

    45 Und als er kam, trat er alsbald zu ihm und sprach: Rabbi!, und küsste ihn. 

    46 Die aber legten Hand an ihn und ergriffen ihn. 

    47 Einer aber von denen, die dabeistanden, zog sein Schwert und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm ein Ohr ab. 

    48 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Seid ihr ausgezogen wie gegen einen Räuber mit Schwertern und mit Stangen, mich gefangen zu nehmen? 

    49 Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen und habe gelehrt, und ihr habt mich nicht ergriffen. Aber so muss die Schrift erfüllt werden. 

    50 Da verließen ihn alle und flohen. 

    51 Und ein junger Mann folgte ihm nach, der war mit einem Leinengewand bekleidet auf der bloßen Haut; und sie griffen nach ihm. 

    52 Er aber ließ das Gewand fahren und floh nackt.

     

    Impuls:
    Im Zentrum des Geschehens bei der Gefangennahme Jesu in Gethsemane steht der Jünger Judas Iskariot

    Judas – der Verräter. Der Judaskuss ging in die Geschichte der Menschheit ein als größtmöglicher Verrat durch einen vertrauten Menschen. Das Zeichen des Kusses, mit dem zwei Menschen ihre Liebe und Nähe zeigen, wird ins Gegenteil verkehrt. Der Kuss bedeutet das Todesurteil für Jesus. Was treibt Judas zu diesem Verrat? Diese Frage haben sich Menschen zu allen Zeiten gestellt. Der versprochene Lohn – die 30 Silberlinge – waren es sicher nicht. Die wirft Judas dem Hohen Rat später vor die Füße. Seine Reue - „ich habe unschuldiges Blut verraten“ – kommt zu spät. Jesus steht bereits vor dem weltlichen Richter Pilatus, der ihn gegen besseres Wissen zum Tod verurteilen wird. Judas wird mit dieser Schuld nicht fertig und nimmt sich das Leben. (Matthäus 27, 3-5)


    Was treibt den Jünger Judas zu seinem Verrat, den er doch später bitter bereuen wird?
    Ich möchte dazu keine eigene Antwort wagen – sie stünde auf sehr unsicheren Boden – sondern ich befrage dazu einen jüdischen Schriftsteller: Amos Oz. Er wurde 1939 in Jerusalem geboren und starb 2018 in Tel-Aviv. Er setzt sich in seinen Büchern intensiv mit jüdischen und christlichen Glaubensthemen auseinander. Er hat dem Verräter Judas einen Roman gewidmet. Darin geht er der Frage auf den Grund, was die Motive des Judas aus jüdischer Sicht gewesen sein könnten, seinen Freund und Lehrer Jesus zu verraten. Seine Sicht scheint mir sehr bedenkenswert. Judas ist ein wohlhabender und gebildeter Mann aus dem Umland von Jerusalem, der die Tora gut kennt. Er steht der Priesterschaft in Jerusalem nahe, die ihm den Auftrag gibt, sich bei den Jüngern Jesu einzuschleusen und herauszufinden, was es mit diesem Mann aus Nazareth auf sich hat. Ob eine Gefahr von ihm ausgeht. Judas schließt sich Jesus an und wird zu einem seiner engsten Vertrauten. Jesus macht ihn zu Schatzmeister. Und dann passiert etwas Unerwartetes: Judas, der eigentlich Jesus ausspionieren und entlarven soll, wird zu einem begeisterten Jünger und ergebenen Schüler von Jesus. Er vollzieht eine Kehrtwende um 180 Grad.

    Er glaubt aus vollem Herzen an die Göttlichkeit Jesu. Er glaubt, dass Jesus alle Macht hat. Er sieht Jesus über das Wasser laufen, Lazarus vom Tod auferwecken, Teufel und Geister austreiben und Wunder vollbringen, wie man es noch nie gesehen hat. Judas ist überzeugt: wenn Jesus vor den Augen ganz Jerusalem gekreuzigt würde, dann würde er vor aller Augen heil und gesund vom Kreuz herabsteigen und das Himmelreich auf Erden würde seinen Anfang nehmen. Und das ganze Volk, Priester, einfache Leute, Pilger, Römer – alle würden auf die Knie fallen vor ihm und Jesus als König und Messias anerkennen. Daran glaubt Judas ganz fest. Und das würde das größte aller Wunder Jesu sein. Der Tag der Kreuzigung wäre der Tag der Erlösung der Welt.
    Es ging anders aus für Jesus. Die Menge unter dem Kreuz, die ruft: Bist du Gottes Sohn, so steig herab vom Kreuz! bekommt dieses Wunder nicht zu sehen. Jesus stirbt – verlassen von Gott und den Menschen. Und Judas, dessen Lebensziel bei diesem Anblick zerbricht, erträgt seine Schuld und sein Leben nicht mehr und setzt ihm ein Ende.

    Diese Deutung des Judas ist ein Versuch. Der Versuch, ihn verstehen zu wollen, seine Motive zu finden. Was ihn letztlich angetrieben hat? Das weiß keiner. Bemerkenswert finde ich, dass Judas vom letzten Abendmahl nicht ausgeschlossen wird. Jesus nimmt auch ihn bewusst in das Heilsgeschehen hinein.
    Mein Blut – auch für dich – Judas! 
    Keine Schuld der Welt ist zu groß, als das Jesus sie uns nicht vergeben kann. Auch wir gehen Irrwege, hängen falschen Vorstellungen an, verrennen uns in Sackgassen. Aber an Judas lernen wir: keine noch so schwere Schuld macht unser Leben wertlos. Darf uns verzweifeln lassen. Jesu Liebe und Vergebung reicht weit – weiter, als wir es uns vorstellen können.

    Pfarrerin Karin Blanc/Ensingen

    Tageslese für morgen: Psalm 88

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  • add Freitag, 3. April 2020

    Tageslese: Markus 14,32-42

    32 Und sie kamen zu einem Garten mit Namen Gethsemane. Und er sprach zu seinen Jüngern: Setzt euch hierher, bis ich gebetet habe.

    33 Und er nahm mit sich Petrus und Jakobus und Johannes und fing an zu zittern und zu zagen

    34 und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet!

    35 Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf die Erde und betete, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorüberginge,

    36 und sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst!

    37 Und er kam und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Simon, schläfst du? Vermochtest du nicht eine Stunde zu wachen?

    38 Wachet und betet, dass ihr nicht in Versuchung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.

    39 Und er ging wieder hin und betete und sprach dieselben Worte

    40 und kam wieder und fand sie schlafend; denn ihre Augen waren voller Schlaf, und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten.

    41 Und er kam zum dritten Mal und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiterschlafen und ruhen? Es ist genug; die Stunde ist gekommen. Siehe, der Menschensohn wird überantwortet in die Hände der Sünder.

    42 Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, der mich verrät, ist nahe.

     

    Impuls:

    Was für ein Kontrast! Auf der einen Seite sehen wir Jesus. Er sieht vor sich, was kommen soll. Und die Angst nimmt seine Seele in den Griff wie eine eiserne Zange. Er weiß, dass das Kommando schon unterwegs ist, das ihn gefangen nehmen soll. Deshalb gerät er in einen inneren Kampf, der ihm alles abverlangt. Und weil die Angst ihn so richtig schüttelt, sucht er die Rückbindung zu seinem himmlischen Vater. Aus Gehorsam zu Ihm tut er ja das alles, was er tut. Vielleicht gibt es da ja doch noch irgendeine Möglichkeit, das zu umgehen, was jetzt kommen soll. 

    Aber klar, gegen und ohne den Vater will er nichts tun. Und so kämpft er sich noch einmal in den Willen des Vaters hinein. Dabei sucht Jesus aber auch die Unterstützung seiner Freunde, seiner Nachfolger. Sie sind bisher den ganzen Weg mit ihm gegangen. Sie braucht er jetzt. Sie sollen bei ihm bleiben. Sie sollen ihn jetzt unterstützen, sollen unbedingt für ihn beten. Denn alleine scheint das alles jetzt zu schwer.

    Und da sehen wir auf der anderen Seite diese Jünger. Prächtige Männer eigentlich, wunderbare Originale. Mutig waren sie ihm bisher gefolgt und wollten in jeder Lage für ihn kämpfen. Aber jetzt, wo es wirklich ernst wird – jetzt wo der Meister seine Schüler einmal wirklich braucht – jetzt versagen sie.

    Nein, sie verlassen ihn nicht, sie laufen auch nicht zu den Gegnern über. Sie versuchen auch nicht, Jesus von seinem Weg abzubringen. Sie schlafen einfach ein. Und als er sie aufsucht und sie weckt, da sind sie richtig verlegen um eine Antwort. Sie wissen ja selbst nicht, warum sie eingeschlafen sind. Richtig peinlich ist das.

    Aber beim zweiten und dritten Mal passiert das Gleiche. Noch peinlicher. Während Jesus innerlich aufs Äußerste kämpft, fallen sie immer wieder in einen wohligen, entspannten Schlummer. Während Jesus in höchster Angst und Anspannung ihre Nähe und Hilfe braucht, kippen sie immer wieder in den Schlaf zurück und lasen ihn allein.

    Und Jesus spürt: Er muss nun eben alleine durch das alles durch, was kommt. Keiner wird ihm wirklich helfen. Die Jünger werden nicht einmal wirklich merken, um was es da jetzt überhaupt geht. Und auch nicht, was sie ihm damit antun.

    Jesus ist alleine – mitten unter seinen Jüngern. Unter solchen, die immer wieder übermannt werden von den ganz einfachen, nächstliegenden Bedürfnissen. Ja, das „Fleisch“ ist auch bei uns oft so viel mächtiger als der „Geist“. So gerne verschlafen auch wir oft die Herausforderungen Gottes.

    Aber Jesus bleibt wach. Er geht seinen Weg. Gerade für diese unzuverlässigen Jünger. Gerade auch für uns. Weil er weiß, dass wir es alleine nicht schaffen. Dass wir zu schwach sind. Deshalb bleibt er wach und geht den Weg des Vaters. 

    Für uns.                                                   

     Pfarrer Johannes Rau/Sersheim

    Tageslese für morgen: Markus 14,43-52

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  • add Donnerstag, 2. April 2020

    Tageslese: Markus 14, 26-31

    26 Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

    27 Und Jesus sprach zu ihnen: Ihr werdet alle Ärgernis nehmen; denn es steht geschrieben (Sacharja 13,7): »Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden sich zerstreuen.« 

    28 Wenn ich aber auferstanden bin, will ich vor euch hingehen nach Galiläa.  

    29 Petrus aber sagte zu ihm: Wenn auch alle Ärgernis nehmen, so doch ich nicht! 

    30 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute, in dieser Nacht, ehe denn der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. 

    31 Er aber redete noch weiter: Auch wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen! Das Gleiche sagten sie alle.

     

    Impuls:

    Stellen Sie sich vor, in einem Gespräch mit einem guten Freund erzählt der Ihnen drei Dinge. Er stellt Ihnen eine Rätselaufgabe, er verspricht Ihnen ein wunderbares Geschenk und er weist sie auf einen Fehler hin, den Sie gemacht haben. Welchen dieser Punkte würden Sie als erstes aufnehmen? Das schönste Geschenk und das spannendste Rätsel verblasst hinter einer Kritik an der eigenen Person. Das können und das wollen wir so nicht stehen lassen. „Nein, das stimmt nicht, das war ganz anders!“ Warum nur fühlen wir uns so schnell angegriffen? Petrus reagiert genauso. Jesus weist ihn zuerst auf einen Fehler hin, den er machen wird. Jesus stellt ihm als zweites ein Schriftwort vor Augen, das die vor ihm liegende Situation mit einem Bild umschreibt. Und er spricht als drittes eine große Verheißung aus: „Nach meiner Auferstehung werde ich euch vorausgehen“. Und Petrus hört nur: „Der traut mir nicht! Der zweifelt an meiner Treue!“ Statt dass er über den Hirten und die Schafe nachdenkt oder sich darüber Gedanken macht, was Jesus ihm und den anderen Jüngern eigentlich verspricht: Auferstehung, Gegenwart Jesu nach seinem Tod! Hört er das gar nicht? Ich weiß nicht, was ich als erstes hören würde.

    Ich will von dieser Geschichte heute lernen: es geht nicht um mein tadelloses Verhalten. Es geht nicht darum, dass ich immer im besten Licht dastehe. Jesus weiß doch längst, wie unzureichend ich bin. Er weiß doch längst, dass ich Fehler mache, dass ich nicht verlässlich bin, dass ich meine Verletzungen habe und andere verletze. Das wusste er auch bei Petrus. Aber nichtsdestotrotz hält er an seinem Versprechen an Petrus und an all seine Jünger fest: „ich werde vor euch hergehen.“ Als Auferstandener! Was für eine Perspektive schon heute, noch mitten in der Passionszeit. Ich kann nicht alle meine Fehler ausbügeln. Doch genau das muss ich auch nicht. Weil Jesus für all das in den Tod geht. Und mir danach dann nicht meine Fehler vorhält und die Zeche zurückfordert. Nein, aus Gnade und Barmherzigkeit geht er mir dann trotz all meiner Unzulänglichkeit als Auferstandener voraus. Was für ein Gott!

    Pfarrer Christoph Pascher/Horrheim

     Tageslese für morgen: Markus 14,32-42

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  • add Mittwoch, 1. April 2020

    Tageslese Markus 14,17-25

    17 Und am Abend kam er mit den Zwölfen.
    18 Und als sie bei Tisch waren und aßen, sprach Jesus: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch, der mit mir isst, wird mich verraten.
    19 Da wurden sie traurig und sagten zu ihm, einer nach dem andern: Bin ich's?
    20 Er aber sprach zu ihnen: Einer von den Zwölfen, der mit mir seinen Bissen in die Schüssel taucht.
    21 Der Menschensohn geht zwar hin, wie von ihm geschrieben steht; weh aber dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre.
    22 Und als sie aßen, nahm er das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Nehmet; das ist mein Leib.
    23 Und er nahm den Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus.
    24 Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.
    25 Wahrlich, ich sage euch, dass ich nicht mehr trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinke im Reich Gottes.

    Impuls:

    Viele von uns erinnern sich bestimmt an eines der vergangenen Familienfeste. Ein runder Geburtstag, eine Taufe oder auch eine Jubelhochzeit. In großer Runde waren wir zusammen, haben das leckere Essen genossen und uns an den schön eingedeckten Tischen erfreut. Den einen oder anderen haben wir nach Jahren wiedergesehen und uns sehr darüber gefreut. Feste sind einfach schön, auch wenn sie anstrengend sind. Wir zehren alle lange davon. Und gerade in diesen Tagen sind sie bei vielen auch mit einer ganz großen Sehnsucht verbunden.

    Jesus und seine Jünger sind in Jerusalem angekommen. Sie wollen feiern. Das jährliche Passafest steht an. Einmal im Jahr kommen alle zusammen um sich an den Auszug aus Ägypten zu erinnern. Sie erinnern sich an die Befreiung aus der Sklaverei. Ein neues Zeitalter ist damals für das Volk Israel angebrochen. Die einzelnen Speisen, die traditioneller Weise an diesem ersten Abend gereicht werden, erinnern an diese eine alles verändernde Nacht. Bis heute wird so die Geschichte vom Auszug mit allen Sinnen erlebbar.

    Das Passafest, das Jesus und die Jünger erleben, ist einmalig, denn es wird das letzte Fest sein, dass alle gemeinsam in dieser Runde feiern können. Das ist allen bewusst. Das bringt unterschiedliche Gefühle mit sich. Freude und Angst, Ohnmacht und Trauer und wahrscheinlich auch Wehmut. Vieles wird sich verändern. Wo Verlass aufeinander war, kommt plötzlich Verrat ins Spiel. Wo Gemeinschaft war, zieht plötzlich Einsamkeit ein.

    Das Passafest ist auch einmalig, weil Jesus ganz neue Akzente setzt und daraus unser christliches Abendmahl wird. Brot und Wein haben schon immer zum Passafest gehört. Sie erinnern in der jüdischen Tradition an das Blut der geschlachteten Lämmer an den Häusern in der Nacht des Aufbruchs und auch den schnellen Aufbruch, der es nicht mehr möglich gemacht hat, Brot mit Sauerteig, das gehen muss, zu backen.

    Brot und Wein sollen aber von nun an uns alle an diesen Abend und an die Gemeinschaft der Jünger mit Jesus erinnern. Eine Gemeinschaft, die fragil ist und immer wieder von Hoffnung lebt. Dieser Gedanke mag auch uns in diesen Tagen vor Ostern und auch in dieser besonderen Zeit tragen.

    Als Christen sind wir Teil einer großen Gemeinschaft, auch wenn wir dies gerade weder sehen noch spüren können. Jeder einzelne ist wichtig und hat seinen Platz. Wir alle dürfen teilhaben an der Hoffnung, dass Christus lebt, dass er uns verbindet, dass er uns die Schuld vergibt und dass er einmal wiederkommt. Wir alle dürfen teilhaben an seinem Reich, das kommen wird. Das ist eine Hoffnung, die uns trägt und über uns selbst und das Leid dieser Welt hinauszeigen will. Ich wünsche uns allen, dass uns diese Hoffnung groß wird und Kraft gibt.

    Pfarrerin Rebecca Fischer/Kleinglattbach

    Tageslese morgen: Markus 14,26-31

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  • add Dienstag, 31. März 2020

    Tageslese Markus 14,12-16

    12 Und am ersten Tage der Ungesäuerten Brote, da man das Passalamm opferte, sprachen seine Jünger zu ihm: Wo willst du, dass wir hingehen und das Passalamm bereiten, damit du es essen kannst?
    13 Und er sandte zwei seiner Jünger und sprach zu ihnen: Geht hin in die Stadt, und es wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Krug mit Wasser; folgt ihm,
    14 und wo er hineingeht, da sprecht zu dem Hausherrn: Der Meister lässt dir sagen: Wo ist die Herberge für mich, in der ich das Passalamm essen kann mit meinen Jüngern?
    15 Und er wird euch einen großen Saal zeigen, der schön ausgelegt und vorbereitet ist; und dort richtet für uns zu.
    16 Und die Jünger gingen hin und kamen in die Stadt und fanden's, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passalamm.

     

    Impuls:

    Der Countdown läuft. Das Netz um Jesus zieht sich zu. Ihm bleibt nicht mehr viel Zeit. Was Jesus zuvor seinen Jüngern sagt: Passt auf! Seid wachsam! Möchte man nun auch ihm zurufen: Jesus – pass auf! Sie schmieden Pläne gegen dich. Einer deiner engsten Vertrauten – Judas – hat sich auf die Seite deiner Feinde geschlagen und wird dich verraten. Jesus weiß, dass sein Leben in Gefahr ist. 

    Was kommen muss, kommt. Man kann sich fragen, warum Jesus sich der drohenden Gefahr nicht entzieht. Warum lässt er all das mit sich geschehen? Jetzt wäre noch Gelegenheit, das Weite zu suchen. Überall im Land hat er Unterstützer. Es wäre nicht schwierig für ihn, irgendwo für eine Weile unterzutauchen, abzuwarten, bis sich die Lage wieder beruhigt hat. Das würde ihm Zeit verschaffen. Aber Jesus läuft nicht weg. Warum nicht?

    Die Antwort finden wir in Vers 12: Es ist der erste Tag des Passafestes, das eine Woche lang begangen wird. Der Tag, an dem man die Passalämmer schlachtet. In allen jüdischen Familien kommt man am Abend zusammen. Und erinnert sich gemeinsam an den Auszug des Volkes Israel aus der Knechtschaft in die Freiheit. Dazu gibt es eine feierliche Liturgie und dann wird ein Lamm gegessen. So wie es damals bei den Kindern Israel war. Wenn Jesus schon sterben muss – und dazu wird es unweigerlich kommen - dann nur im Zusammenhang mit dem Passafest, in der die Geschichte vom Auszug aus der Sklaverei in Ägypten erzählt und vergewissert wird. Was war damals in der Frühgeschichte Israels passiert?

    Mose weiß, dass der Pharao in seiner Sturheit seine israelitischen Sklaven nicht freiwillig gehen lassen wird. Viele Plagen ereilen die Ägypter – keine kann den Herrscher umstimmen. Zuletzt droht ihm Gott durch Mose an, dass die erstgeborenen Söhne sterben werden, wenn er das Volk Israel nicht freigibt! Pharao gibt wieder nicht nach. Mose gibt den Israeliten ein Schutzzeichen:
    Schlachtet ein junges Lamm. Streicht sein Blut an eure Türrahmen. Dann werdet ihr vor dem Tod gerettet. Seid bereit für das Zeichen zum Aufbruch. In jeder Familie wird ein Lamm geschlachtet und sein Blut bewahrt die Kinder Israel in dieser Nacht vor dem Tod und öffnet ihnen den Weg zum Leben. Den Weg in eine Zukunft mit Gott. Daran erinnert das Passa-Fest, das im Frühjahr jedes Jahr begangen wird.

    Jesus feiert mit seinen Jüngern das Passafest. Er feiert es wie alle anderen Familien auch. Aber er gibt ihm eine andere Bedeutung. An diesem Abend wird er mit seinen Jüngern über seinen eigenen Tod sprechen: „Das Lamm, das stirbt, um den Weg zum Leben frei zu machen – das bin ich selber. Mein Leib – für euch gegeben. Mein Blut – für euch vergossen. Damit ihr frei werdet von falschen Bindungen, frei für ein Leben mit Gott. Ich sterbe, damit ihr leben könnt.“ Damit erfüllt sich das alte Prophetenwort: „Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen… Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jesaja 53, 4+5). Jesus wird zum Lamm Gottes. Die beiden Jünger, die losgeschickt werden, einen Raum vorzubereiten, ahnen nicht, was sie an diesem Abend erwartet. Sie ziehen los in die Stadt und scheinbar hat Jesus schon vorgesorgt: alles ist bereit für das letzte Essen mit seinen Freunden. Nein – Jesus läuft nicht weg. Sehenden Auges geht er seinen Weg in den Tod. So wie ein Lamm, das sich nicht wehrt, macht Jesus sich wehrlos. Weil das Lamm die Rettung bringt. Und dabei selber den Tod erleidet. Jesus – das Lamm Gottes.

    Pfarrerin Karin Blanc/Ensingen

    Tageslese morgen: Markus 14,17-25

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  • add Montag, 30. März 2020

    Tageslese Markus 14,1-11

    1 Es waren noch zwei Tage bis zum Passafest und den Tagen der Ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten.
    2 Denn sie sprachen: Ja nicht bei dem Fest, damit es nicht einen Aufruhr im Volk gebe.

    Die Salbung in Betanien
    3
    Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt.
    4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls?
    5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.
    6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.
    7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit.
    8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.
    9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

    Der Verrat des Judas
    10 Und Judas Iskariot, einer von den Zwölfen, ging hin zu den Hohenpriestern, dass er ihn an sie verriete.
    11 Da sie das hörten, wurden sie froh und versprachen, ihm Geld zu geben. Und er suchte, wie er ihn bei guter Gelegenheit verraten könnte.

    Impuls:

    Dieser Abschnitt ist der Auftakt der Passionsgeschichte nach Markus. Damit beginnt das Geschehen, das für den Evangelisten Kern, Ziel und Höhepunkt der Sendung des Sohnes Gottes ist. Hier verdichtet sich das Geflecht der Handlungen und Beziehungen zum letzten Akt des Dramas Jesus Christus.

    Drei Fäden dieses Geflechts lässt Markus uns hier kurz verfolgen:
    1. Die geistlichen Führer bemühen sich darum, den Fall Jesus rasch zu beenden.
    2. Eine unbekannte Frau zeigt ihre Liebe zu Jesus und dadurch noch einiges mehr.
    3. Der Jünger Judas wendet sich ab von seinem Herrn.

    Jesus ist in all diesen Szenen unbeteiligt oder passiv. Aber alle drei drängen ihn ein Stück weiter nach vorne auf dem Weg, der unweigerlich zu seinem Tod am Kreuz führt. Die religiöse Führung in Jerusalem hat schon lange vor, Jesus umzubringen (Markus 3,6; 11,18). Seine Worte und Taten drücken einen Anspruch aus, der in den Augen der jüdischen Obrigkeit Gotteslästerung bedeutet. Er setzt sich über die Regeln zur Einhaltung von Gottes Gesetz hinweg. Und wenn er als angeblicher Messias wirklich Israel frei machen will, bedeutet das Krieg und stärkere Unterdrückung durch die Römer. Also muss er weg. Aber wie? Er ist ja ständig von Anhängern und Verehrern umgeben. Jetzt kommen zum Passafest noch mehr Leute in die Stadt. Da fällt es viel zu sehr auf, wenn Jesus getötet wird. Einen Aufstand muss man ja gerade verhindern. Eine Lösung dafür fehlt den Verschwörern noch. Aber sie haben sich diese Tötung fest in den Kopf gesetzt und werden alles tun, um sie so bald wie möglich auszuführen.

    Die unbekannte Frau will unbedingt Jesus beschenken. Sie hat vielleicht eine Heilung durch ihn (mit-)erlebt, jedenfalls ist sie von großer Bewunderung und Liebe für diesen Mann erfüllt. Das will sie in einem schönen Geschenk ausdrücken. Sie hat vermutlich ihr ganzes Geld hergeben müssen, um so ein besonderes, hochwertiges Salböl zu kaufen. Egal, was man von ihr denkt, sie muss zu ihm. Sie platzt einfach in seine Tischgesellschaft hinein, ein Wagnis als Frau in dieser Männerrunde, und schüttet das ganze Öl Jesus über den Kopf. Ein betörender Duft erfüllt den Raum. Der Ärger der Jünger über diese Verschwendung kann ihr nichts anhaben, denn Jesus verteidigt ihre Tat: Sie ist ein gutes Werk, sie drückt die Freude über die Gegenwart von Christus als Mensch auf der Erde aus und weist damit zugleich auf deren baldiges Ende hin.

    Diese Zeit Jesu auf der Erde war ein besonderes Geschenk an die Menschen in seiner Umgebung (Markus 2, 18-20) und es war begrenzt. Diese Menschen sollten die Zeit der leiblichen Gemeinschaft mit Jesus nutzen. Genau das tut die Frau mit ihrer Salbung. Weil diese Chance bald zu Ende sein wird, bekommt dieses Geschehen die Bedeutung einer prophetischen Aktion, einer Zeichenhandlung: Jesus ist der Christus, das heißt auf Deutsch, er ist der "Gesalbte". Natürlich war Jesus auch schon vor dieser Begegnung mit der Frau Gesalbter Gottes, aber ihre Tat verdeutlicht das und macht es sichtbar. Und dann ist die Salbung auch eine Handlung, die man zur Vorbereitung einer Leiche zum Begräbnis vornimmt. Damit setzt sie hier ein klares Zeichen für das kommende Sterben Jesu. Sie ist dadurch eng mit dem Kern unseres Glaubens verbunden. Hier wird der Christus zum Sterbenden.

    Über Judas Iskariot erfahren wir fast nichts im Markusevangelium. Seine Beweggründe bleiben im Dunkeln. Irgendwie muss er wie die Schriftgelehrten verkannt haben, wer Jesus Christus wirklich war. Aber alle Spekulationen darüber sind hier nicht hilfreich. Judas hat sich entschieden. Er will nicht mehr zu den Unterstützern Jesu gehören - ja, mehr noch: Er will ihm schaden und diese Sache beenden. Er weiß von den Plänen der Hohenpriester und bietet ihnen seine Hilfe gegen Jesus an. Dabei gibt es für ihn auch noch Geld. So finden sich die Gegner Jesu zusammen, verbünden sich, um ihn aus dem Weg zu räumen. Scharfe Kontraste entstehen hier: Die überschwängliche, gute Tat der Frau und die hinterhältige, böse Tat des Verräters und seiner Mitverschwörer stehen sich gegenüber; die liebevolle Verschwendung und der hasserfüllte Geiz. Beides lässt Jesus an sich geschehen. Beides ist überliefert bis in unser Evangelium hinein.

    Wir stehen vor der Frage, welchem dieser Fäden des Geschehens wir folgen, welcher Tat wir glauben wollen: Ist Jesus der Christus, der von Gott gesalbte Retter, trotz seines passiven Leidens? Oder ist er ein größenwahnsinniger Versager? Dieser Frage können wir nicht ausweichen. Wenn dieser Mann zurechnungsfähig war, müssen wir uns entscheiden: Erkennen wir seinen Anspruch an, unser Retter und Herr zu sein, gerade weil er sich dem Verräter auslieferte - oder müssen wir uns enttäuscht von ihm abwenden, weil er machtlos ist und das Böse siegt?

    Praktikant Michael Klein, Tübingen/Sersheim

    Tageslese morgen: Markus 14,12-16

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  • add Sonntag, 29. März 2020

    Tageslese Psalm 102

    1 Ein Gebet für den Elenden, wenn er verzagt ist und seine Klage vor dem HERRN ausschüttet.
    2 HERR, höre mein Gebet
    und lass mein Schreien zu dir kommen!
    3 Verbirg dein Antlitz nicht vor mir in der Not,
    neige deine Ohren zu mir;
    wenn ich dich anrufe, so erhöre mich bald!
    4 Denn meine Tage sind vergangen wie ein Rauch,
    und meine Gebeine sind verbrannt wie von Feuer.
    5 Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras,
    dass ich vergesse, mein Brot zu essen.
    6 Mein Gebein klebt an meiner Haut
    vor Heulen und Seufzen.
    7 Ich bin wie eine Eule in der Wüste,
    wie ein Käuzchen in zerstörten Städten.
    8 Ich wache und klage
    wie ein einsamer Vogel auf dem Dache.
    9 Täglich schmähen mich meine Feinde,
    und die mich verspotten, fluchen mit meinem Namen.
    10 Denn ich esse Asche wie Brot
    und mische meinen Trank mit Tränen
    11 vor deinem Drohen und Zorn,
    weil du mich hochgehoben und zu Boden geworfen hast.
    12 Meine Tage sind dahin wie ein Schatten,
    und ich verdorre wie Gras.
    13 Du aber, HERR, bleibst ewiglich
    und dein Name für und für.
    14 Du wollest dich aufmachen und über Zion erbarmen;
    denn es ist Zeit, dass du ihm gnädig seist, und die Stunde ist gekommen -
    15 denn deine Knechte lieben seine Steine
    und tragen Leid um seine Trümmer -,
    16 dass die Völker den Namen des HERRN fürchten
    und alle Könige auf Erden deine Herrlichkeit,
    17 wenn der HERR Zion wieder baut
    und erscheint in seiner Herrlichkeit.
    18 Er wendet sich zum Gebet der Verlassenen
    und verschmäht ihr Gebet nicht.
    19 Das werde geschrieben für die Nachkommen;
    und das Volk, das er schafft, wird den HERRN loben.
    20 Denn er schaut von seiner heiligen Höhe,
    der HERR sieht vom Himmel auf die Erde,
    21 dass er das Seufzen der Gefangenen höre
    und losmache die Kinder des Todes,
    22 dass sie in Zion verkünden den Namen des HERRN
    und sein Lob in Jerusalem,
    23 wenn die Völker zusammenkommen
    und die Königreiche, dem HERRN zu dienen.
    24 Er demütigt auf dem Wege meine Kraft,
    er verkürzt meine Tage.
    25 Ich sage: Mein Gott, nimm mich nicht weg
    in der Hälfte meiner Tage!
    Deine Jahre währen für und für.
    26 Du hast vorzeiten die Erde gegründet,
    und die Himmel sind deiner Hände Werk.
    27 Sie werden vergehen, du aber bleibst;
    sie werden alle veralten wie ein Gewand;
    wie ein Kleid wirst du sie wechseln,
    und sie schwinden dahin.
    28 Du aber bleibst, wie du bist,
    und deine Jahre nehmen kein Ende.
    29 Die Söhne deiner Knechte bleiben wohnen,
    und ihr Geschlecht wird vor dir gedeihen.

    Impuls:

    Erschütternd, was sich in den Worten dieses Psalmes spiegelt: Ein Mensch, der verzweifelt zu Gott schreit. Körperlich kaputt und seelisch am Ende. Immer neue Bilder findet der Beter hier für seine hoffnungslose Situation. Er sieht sich selbst wie eine Feuerstelle, wo aus der Asche seiner Gebeine nur noch Rauchschwaden aufsteigen. Wie eine Graslandschaft, die vom Druck der Hitze ausgetrocknet und erstorben ist. Wie ein einsamer Vogel, der bei Nacht in den Trümmern einer zerfallenen Stadt sitzt.

    Und er wagt zu denken, was wir oft nicht mehr wagen: Dass hinter all dem am Ende ja auch Gott selbst steckt. Dass Gott auch in den schweren Dingen, die über uns kommen, spricht und handelt. Dass gerade auch in diesen sein Wille geschieht, selbst wenn sich dabei eigentlich seine Gegner austoben, oder sogar sein Widersacher. Gerade auch dann ist Gott nichts entglitten, alles muss seinem Plan dienen. Seinem Plan, an uns zu arbeiten und zu uns zu sprechen. Uns in die heilsame Beziehung zu ihm zurückzuführen.

    Könnte es eventuell sein, dass auch die eigentlich unfassbare Corona-Krise etwas damit zu tun hat? Könnte es sein, dass wir es gerade da mit Gott selbst zu tun haben, wo viele jetzt sagen: „Wie kann ein liebender Gott sowas zulassen?“

    Hatten wir es vielleicht vergessen: Nur Gott ist ewig, wir sehr vergänglich? Hatten wir ihn vielleicht herausgekürzt aus unseren Gleichungen der Welterklärung? Hatten wir nur noch an das gedacht, was wir selbst sehen und berechnen können, was wir selber sind, und was wir selber leisten und vollbringen? Hatten wir gedacht, Glaube sei nur was zur Selbstvertröstung für Arme und Schwache? 

    Was, wenn nun dieser Gott einen Finger rühren würde und unsere ganze Sicherheit durch einen unglaublich kleinen Erreger mal erschüttern würde? Was, wenn er, nachdem er in so vielen einfühlsamen Andachten und Predigten nicht mehr gehört werden wollte, nun recht heftig bei uns anklopfen würde?

    Ich weiß nicht sicher, ob wir hier jetzt die richtigen Fragen gestellt haben. Aber unser Psalm 102 hat mich unweigerlich zu solchen Fragen geführt. Man möge mir verzeihen, wenn ich irre. Aber vielleicht sollten wir sie uns wirklich mal durch Kopf und Herz gehen lassen?

    Pfarrer Johannes Rau/Sersheim

    Tageslese morgen: Markus 14,1-11

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  • add Samstag, 28. März 2020

    Tageslese Markus 13,28-37

    28 An dem Feigenbaum aber lernt ein Gleichnis: Wenn seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. 29 Ebenso auch, wenn ihr seht, dass dies geschieht, so wisst, dass er nahe vor der Tür ist. 30 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht. 31 Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen. 32 Von jenem Tage aber oder der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.
    Mahnung zur Wachsamkeit
    33 Seht euch vor, wachet! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist. 34 Es ist wie bei einem Menschen, der über Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Knechten Vollmacht, einem jeden seine Arbeit, und gebot dem Türhüter, er sollte wachen: 35 So wacht nun; denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder am Morgen, 36 damit er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt. 37 Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet!

    Impuls:

    Die Jünger hatten Jesus gefragt: „Sage uns, wann wird das geschehen?“ Die Antwort ist ganz klar: Niemand wird es vorher wissen, wann das Ende kommt und Jesus sichtbar die Herrschaft übernimmt. Alle Spekulationen und Berechnungen sind umsonst. Sie sind das Gegenteil dessen, was Jesus von uns verlangt. Denn wenn wir wüssten, wann es geschieht, müssten wir ja nicht wach bleiben, sondern nur den Wecker stellen.

    Auch in diesen Tagen sehen manche Menschen das Ende kommen. Wahr ist: Jesus hat sehr schwierige Zeiten angekündigt bis zu seiner Wiederkunft. Die Corona-Krise kann uns also als ein „Zeichen der Zeit“ daran erinnern, dass diese Welt nicht für immer Bestand haben wird. Die richtige Reaktion auf diese Erkenntnis ist abr weder Gleichgültigkeit und Fatalismus noch Verzweiflung und Resignation. Denn Jesus Christus ist schon jetzt der Herr des Hauses und er wird zur richtigen Zeit kommen und die Welt in Ordnung bringen. Deshalb sollen wir vielmehr auf ihn warten und für seine Rückkehr bereit sein.

    Immer wieder im Lauf der Geschichte haben Christen gemeint: Jetzt kommt Jesus wieder und alles ist zu Ende. Weil sie sich nach dem Wort Jesus dabei irren mussten, glauben heute viele Menschen, dass Jesus gar nicht mehr kommt, dass alles immer ungefähr so weitergehen wird wie jetzt, dass wir die Zukunft allein werden bestehen müssen. Aber Jesu Worte haben Bestand und werden eintreffen: „Ja, ich komme bald!“ (Offenbarung 22, 20). Höchste Zeit also, um aufzuwachen, ihn zu erwarten und ihm zu vertrauen!

    Praktikant Michael Klein, Tübingen/Sersheim

    Tageslese morgen: Psalm 102

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