Glocken der St. Georgskirche

1. Domika

Ton f, wiegt  978 kg, Jahr 1949, Gießer: A. Bachert Heilbronn

Inschrift: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!“ (Jer. 22,29)

Du wirst mit deinem tiefen Ton uns frohe Botschaft oft verkünden: „Es will sich treulich Gottes Sohn mit unsrer schwachen Art verbinden, ist als Erlöser uns gesandt. Er hilft uns morgen, heut und gestern!“ Drum hör sein Wort, o Land, Land, Land, so mahnst du treu mit deinen Schwestern.

2. Betglocke (Vaterunserglocke)

Ton g, wiegt 682 kg, Jahr 1949, Gießer: A. Bachert Heilbronn

Inschrift: „Wachet und betet“ (Mt. 26,41)

Du künd uns das Gebet des Herrn, sollst Vaterunserglocke heißen und bitten, dass man nah und fern den Vater droben möge preisen. Es stirbt der Mensch, es rinnt die Zeit, vergessen werden Menschennamen, doch Gottes Reich und Herrlichkeit bleibt ewig, kräftig, sieghaft. Amen.

3. Kreuz- und Schiedglocke, auch Zeichenglocke

Ton b, wiegt 403 kg, Jahr 1949, Gießer: A. Bachert Heilbronn

Inschrift: „Ehre sei Gott in der Höhe“ (Lk. 2,14)

Weil viele schlafen dieser Zeit und die Entscheidung träg versäumen, so mahnst du: wachet, seid bereit, steht männlich auf aus euren Träumen! Ehrt Gott den Herrn, der Herr ist nah; O lasst uns stark im Glauben werden! Bald rühmt ein einzig Gloria im Himmel ihn und auch auf Erden.

4. Taufglocke

Ton d, wiegt 175 kg, Jahr 1969, Gießer: A. Bachert Heilbronn

Inschrift: „Freuet euch, dass eurer Namen im Himmel geschrieben sind“ (Lk. 10,20)

Für alle Glocken gilt der Vers: „Wachet auf! ruft uns die Stimme, der Wächter sehr hoch auf der Zinne! So mahnt auch ihr mit ehernem Mund. Lasst den Wächterruf erschallen, bis einst am jüngsten Tage hallen Posaunen zu der großen Stund! Ruft’s nun vereint im Chor: ‚Tu auf dem Herrn das Ohr deines Herzens!' Läutet nun all mit lautem Schall zu Freud und Leid auf Berg und Tal.“

Die Geschichte der Gocken

1. Mai 1949 Glockenweihe der drei neueren Glocken.

Eine Glocke konnte über den 1. Weltkrieg hinweggerettet werden.

Am 6. Juni 1875 Glockenweihe.

Darunter eine Glocke, die aus einer erbeuteten französischen Kanone hergestellt wurde. Das Zweiergeläut wurde auf ein Dreiergeläut ergänzt. Eine der beiden alten Glocken, die einen Sprung hatte wurde ergänzt.

Der Mesner Karl Hauber und der Fronmeister Karl Deisser vergruben die kleinste Glocke im November 1917. Sie war als „Kriegsmaterial“ beschlagnahmt worden. Die Glocke stand schon zur Abholung bereit. Sie wurde im Gartenhäuschen vergraben, das im Kirchhof stand. Niemand entdeckte sie und die „Täter“ des Glockendiebstahls. Im Februar 1919 wurde die Glocke dann wieder ausgegraben. Siehe Gedicht.

1930 kam die noch fehlende dritte Glocke hinzu.

Im 2. Weltkrieg wurden zwei Glocken genommen. Nur noch die kleinste war verblieben. Die kleine Glocke wurde nach Spielberg für das Rathaus dort verkauft. So konnten 1948 drei neue Glocken angebracht werden. Initiative von Pfr. Kehr

Die vierte Glocke wurde erst 1969 aufgehängt (Pfr. Rathfelder). Glockenweihe war am Christtag. Pfr. Rathfelder komponierte dazu extra eine Kantate nach der Inschrift der Glocke: „Freuet euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind“. 

Gedicht von Ernst Hauber:

Auf einem Berg mit Reben umkränzt ein Kirchlein steht,
Jedem wird’s zum Segen, der ein und aus dort geht. 

Auf seinem Turme thronen seit vierundvierzig Jahr,
drei Schwestern aus Kanonen vom großen siebzger Jahr.

Sie haben oft gerufen, kommt kommt ins Gotteshaus,
ihr alle seid gerufen ins große Vaterhaus.

Gar schrecklich sie oft stürmen und schaurig tönts im Chor,
wenn Feuergarben springen zum Himmel hoch empor.

Doch monoton sie oft auch klagen und traurig klingts im Ohr,
wenn wir die Toten tragen durchs schwere Friedhofstor.

Doch freudig sie auch singen, wenn eine Hochzeit war.
Auch sie, sie wollten bringen dem Brautpaar Glückwünsch dar.

Als dann zum großen ringen der Kaiser rief zum Krieg,
da will auch ich mit singen, die große Schwester rief.

Wozu das wilde Morden die kleine Schwester sprach:
Ich will ja keine Orden ich geh noch heute Nacht. 

Es hat ihr treuer Diener für sie in finstrer Nacht,
in einer Gartenlaube schon längst Quartier gemacht. 

Dort lag sie unter Reben zwei Jahr in stiller Ruh,
konnt sich nun nicht mehr regen, sehnt sich nach anderm Tun. 

Als dann der Krieg zu Ende, die Glocke ruft es laut,
die Schwester leicht behände kommt aus dem Gartenhaus.

Mit Orden reich geschmücket sie vor der Kirche stand,
und alles hochbeglücket man nun die Glocke fand.

Das Glöcklein ist gekommen, so rufen jung und alt,
die Schwester ist gekommen vom Turm es widerhallt.