Geschichte der St. Georgskirche

St. Georgskirche

Die Kirche von Hohenhaslach wird zum ersten Mal im Jahr 1240 urkundlich erwähnt. Die Herren von Bromberg besaßen die Burg am Bromberg (Schlösslesbuckel), bei den Bromberger Höfen, Richtung Ochsenbach. Sie bestimmten die Hohenhaslacher Kirche zum Erbbegräbnisort. Die alten Fresken in der Kirche waren sicherlich eine Stiftung der Herren von Bromberg. Die Grabplatte von 1576 an der Südseite der Kirche erinnert noch an diese Zeit. Darauf abgebildet ist Anna von Weitershausen, Witwe zu Bromberg. Im 13. und 14. Jahrhundert war Hohenhaslach sogar Dekanatsstadt. In dieser Zeit gelangte die Kirche durch Schenkungen zu großem Reichtum. Bis zur Reformation gehörte die Hohenhaslacher Pfarrei zum Landkapitel Vaihingen im Archidiakonat Trinitatis der Diözese Speyer.

Der aus dicken Steinquadern erbaute Turm der Kirche diente der früheren Festung Hohenhaslach zugleich zur Verteidigung des Ortes. Eine starke Veränderung erfuhr die Kirche im Jahr 1566 durch die unsymmetrische Erweiterung des Kirchenschiffes in Richtung Marktplatz. Im Jahr 1813 wurde die lange Turmspitze abgebrochen.

Heute wird die Hohenhaslacher Kirche mit ihren 300 Sitzplätzen gut besucht. 

Rundgang Kirchenraum

Chorraum mit den Fresken

Chorraum mit den Fresken

Maria mit dem Jesuskind

Maria mit dem Jesuskind

Joseph auf der Flucht nach Ägypten mit Weinfässchen

Joseph auf der Flucht nach Ägypten mit Weinfässchen

Chorraum

Im Chorraum befinden sich frühgotischen Fresken aus dem 13. Jahrhundert. Diese Fresken wurden erst 1957 bei Renovierungsarbeiten wiederentdeckt und freigelegt. Dort sehen Sie drei übereinander liegende Bilderzyklen. Die untere Bilderreihe stellt die Weihnachtsgeschichte dar. Maria mit dem Kind, die Anbetung durch die Heiligen drei Könige, die Darstellung des Kindes im Tempel mit Simeon und die Flucht nach Ägypten: Maria mit Kind auf dem Esel und Josef. 
Die mittlere Bildreihe stellt die Passionsgeschichte dar: Kreuztragung und Kreuzigung, Kreuzabnahme und die Frauen am Grab. Über diesem Bilderzyklus sind Prophetengestalten mit Schriftbändern, Maria mit dem Jesuskind und eine Märtyrerin mit Siegespalmen zu sehen. 
Iin der unteren Bilderreihe präsentiert Maria Jesus, den Sohn Gottes. Das Kind Jesus deutet mit seinen breit ausgestreckten Armen schon die Kreuzigung an. Maria hält das Kind dem Betrachter entgegen, um deutlich zu machen: „Jesus Christus kam für dich, er ist das große Geschenk Gottes an die Welt. Er starb am Kreuz für dich und für deine Sünden.“ 

Das bekannteste Fresko findet sich in der unteren Bildreihe ganz rechts. Vor allem Joseph ist zu erkennen, der beim Gepäck auf der Flucht nach Ägypten nicht auf die Mitnahme eines Weinfässchens verzichtet hat. Der Künstler identifizierte Joseph offenbar mit dem frommen Hohenhaslacher, der bereit ist, sich ganz für Jesus einzusetzen. Ganz so wie es im alten Bekenntnis an der Konfirmation hieß: „Herr Jesus, dir leb ich, dir leid ich, dir sterb ich. Dein bin ich tot und lebendig. Mach mich, o Jesu, ewig selig.“

Kirchenschiff Nordseite

St. Georg, der Namenspatron der Kirche, tötet mit seiner Lanze einen Drachen

St. Georg, der Namenspatron der Kirche, tötet mit seiner Lanze einen Drachen

An der Wand unter der Empore befindet sich ein großes Wandbild. Dieses Gemälde ist viel jünger als die Fresken im Chorraum. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert. Auf der rechten Seite ist St. Georg, der Namenspatron der Kirche dargestellt, wie er mit seiner Lanze einen Drachen tötet. Die lateinische Schrift ist ein Hinweis auf den Namensgeber der Kirche: „Sanctus Georgius Patronus Huius Templi“ (Heiliger Georg als Schutzherr dieses Gotteshauses). Parallel dazu sehen Sie auf der linken Seite die biblische Darstellung der Bekehrung des Paulus. Der Christenverfolger Paulus hat kurz vor Damaskus eine Erscheinung. Er sieht Christus in ein helles Licht getaucht, der ihn fragt. „Saul, Saul, was verfolgst du mich“ (Apg. 9,4)? Durch die parallele Darstellung dieser beiden Szenen wird deutlich, dass Paulus mit dem Drachen identifiziert wird und Christus in der Gestalt des Drachentöters erscheint. Paulus muss erkennen, dass in ihm das Böse regiert. Er verfolgt Christus und die Christen und meint, dadurch Gott einen Gefallen zu tun. Doch Christus vernichtet das alte Leben von Paulus (den Drachen in ihm) und gibt seinem Leben durch die Beziehung zu ihm eine völlig neue Ausrichtung. Aus dem Saulus wird ein Paulus. Aus dem Christenverfolger wird ein Missionar. Die Botschaft dieser Darstellung ist klar: Durch die Predigten in unserer Kirche soll das gleiche geschehen wie bei Paulus. Menschen sollen Jesus begegnen, ihr altes Leben hinter sich lassen und mit Jesus ein neues Leben beginnen. 

Südseite Fenster

Glasfenster mit Bild vom Weinstock

Glasfenster mit Bild vom Weinstock

Passend zum Umfeld unserer Kirche, mitten im Weinbaugebiet wurde für dieses Glasfenster das Bild vom Weinstock gewählt. Jesus spricht: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Joh. 15,5). Aus der inneren Verbindung des Glaubens an Jesus Christus erwachsen im Leben eines Christen die Früchte guter Taten wie Trauben am Weinstock. Auf dem Glasfenster werden die klassischen fünf Taten der Barmherzigkeit als solche Früchte des Glaubens beschrieben. Von oben links an: Zu essen geben, zu trinken geben, mit Kleidung versorgen, beherbergen, Gefangene und Kranke besuchen (vgl. Mt. 25,35-36). 

Auch die Liedtafeln nehmen das Weinstockmotiv auf. Sie stammen von dem Kunstschmiedemeister Rudolph Kurz aus New York und sind das Geschenk einer Familie, deren Vorfahren aus Hohenhaslach in die USA ausgewandert sind. 

Decke

Lamm Gottes mit der Siegesfahne

Lamm Gottes mit der Siegesfahne

An der Decke des Kirchenschiffes sehen Sie mit barocker Verzierung und Farbtönung Christus, das Lamm Gottes mit der Siegesfahne und den Buchstaben Alpha und Omega. Weil Jesus am Kreuz für die Sünden der Welt wie ein Lamm geopfert wurde, wird er in dieser Vision vom Himmel als Lamm dargestellt. Als Sieger über den Tod trägt er nun als Lamm die Siegesfahne. Jesus herrscht im Himmel und regiert von dort aus über das ganze Universum. Die Buchstaben Alpha und Omega sind Anfang und Ende des griechischen Alphabets. Sie stehen dafür, dass Christus das A und O ist, dass er sein Ziel erreichen wird und am Ende mit allem, was er sich vorgenommen hat, zum Ziel kommt. Er wird auch mit Ihrem Leben seine Ziele erreichen. 

Christen hoffen darauf, dass sie nach dem Tod Jesus sehen werden und dann mit ihm und in der Gemeinschaft mit allen Gläubigen in seiner himmlischen Herrlichkeit weiterleben werden. Johannes schreibt: „Wir wissen: Dann werden wir Jesus gleich sein und wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1. Joh. 3,2). 

Blick in den Chorraum/Fenster

Fenster im Chorraum

Fenster im Chorraum

Fast alle Kirchen sind nach Osten in Richtung Sonnenaufgang hin ausgerichtet. Die östliche Himmelsrichtung steht für Hoffnung, für die Erwartung eines neuen Tages und einer neuen Zeit. Schauen Sie daher jetzt noch einmal nach vorne, zum Chorraum, in Richtung Osten. Das von Adolf Saile, Stuttgart, im Jahr 1961 gestaltete Glasfenster stellt wiederum Christus als Herrscher der Welt dar. Sein Regierungsprogramm ist die Heilige Schrift, die er in der linken Hand hält. Die rechte Hand ist zum Schwur erhoben. Christus garantiert, dass er seine Herrschaft am Ende überall aufrichten wird. Christen warten auf seine Wiederkunft. Christus kommt wieder zum Gericht über alle Menschen. Er wird das Leben der Menschen beurteilen und eine neue Welt schaffen, in der Frieden und Gerechtigkeit wohnen. Die christliche Gemeinde antwortet auf diese Hoffnung mit dem alten Ruf „Maranatha“: „Herr komm bald!“. 

Panoramablick

Panoramablick vom Kirchgarten

Panoramablick vom Kirchgarten

Genießen Sie den schönen Panoramablick und den weiten Horizont, der bis zu den Bergen der Schwäbischen Alb und des Schwarzwalds reicht. Denken Sie daran, dass der Glaube an Jesus Christus, wie er zum Beispiel durch die Sehenswürdigkeiten unserer Kirche verdeutlicht wurde, unserem Leben einen weiten Horizont geben will. Den Horizont der großen Möglichkeiten Gottes und der großen Zukunft eines Lebens in der Herrlichkeit Gottes. 

© oben und zweites Bild: Adelheid Dammbach-Fried, alle weitere: Michael Wanner